Freitag, 19. Mai 2017

[Rezension] "Auslöschung" von Jeff VanderMeer

Erschienen bei Knaur am 1.3.2017 | Übersetzt von Michael Kellner
Taschenbuch | 240 Seiten | ISBN: 978-3-426-51804-5 | 9,99 € | Kaufen

"Southern Reach" | 1. Auslöschung | 2. Autorität (2.5.17)  | 3. Akzeptanz (3.7.17)

Eine geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet irgendwo an der amerikanischen Küste übernommen, seit vor 30 Jahren ein mysteriöses Ereignis stattgefunden hat. Und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam aus. Doch was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden, Karten zu zeichnen, das Fremde zu verstehen. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt wird eine zwölfte Expedition entsandt. An ihrer Seite betritt der Leser Area X. Und kann sich weder der Faszination noch dem Grauen entziehen.
(Quelle: Knaur)
Auslöschung“ ist ein Roman, den ich schwer beschreiben kann. Er ist keinem Buch ähnlich, das ich gelesen habe, zumindest soweit ich mich erinnere.

Jeff VanderMeer beschreibt in seinem Buch ein geheimnisvolles Areal, wo die normalen Gesetze der Natur scheinbar nicht gelten und den ganzen Bereich zu einem mysteriösen, eigenartigen und manchmal auch ziemlich gruseligen Ort machen. Das Buch ist aus der Sicht einer Expeditionsteilnehmerin geschrieben, die Area X zusammen mit weiteren Teilnehmerinnen betritt.

Diese Art der Erzählung unterstreicht die Mystik des Ortes, da die Biologin, wie sie sich nennt, selbst nichts über diesen Ort weiß und dem Leser so nur sehr eingeschränktes Wissen zur Verfügung steht. Die Biologin erforscht das Gebiet mit einer großen Faszination, obwohl sie sehr schnell merkt, dass etwas ganz seltsam an dem Ort ist. Doch wie magisch angezogen traut sie sich weiter vor und entdeckt Ungeheuerliches – und genau wie der Protagonistin geht es auch dem Leser. Ich konnte mich dieser gruseligen Faszination nicht entziehen und habe die seltsamen Pflanzen vor meinen Augen gesehen, die Umgebung gefühlt und auch den Wind beim Lesen auf meiner Haut gespürt. „Auslöschung“ ist ein Leseerlebnis der besonderen Art.

Im Nachhinein fasziniert es mich zudem sehr, dass Jeff VanderMeer in einem weitgehend handlungsarmen Buch enorm viel Spannung aufbauen kann, die mich ständig dazu bewegte, weiterlesen zu wollen.

Auslöschung“, der erste Teil der Southern-Reach-Trilogie, ist wie ein seltsamer Traum: abstrakt, von der normalen Welt losgelöst und auch oftmals schaurig. Ich bin wahnsinnig gespannt, wie es in „Autorität“ weitergeht und wer „Auslöschung“ gelesen hat, wird verstehen, warum ich so gespannt darauf bin. 

Ich kann das Buch jedenfalls sehr empfehlen, doch euch sollte klar sein, dass hier kein klassischer Abenteuer-Plot vorliegt und die Stimmung in diesem Buch doch sehr abstrakt ist. Es ist aber äußerst faszinierend, die Beschreibungen der Flora und Fauna zu lesen und all die Sonderbarkeiten zu entdecken. 

Von mir gibt es 4 Sterne, da mich das Buch größtenteils überzeugen konnte und mich sehr neugierig gemacht hat, wie alles aufgelöst wird. Doch manchmal war es eben auch zu abstrus und tatsächlich hätte ich gern die ein oder andere kleine Auflösung schon in diesem Buch gelesen. So aber bleibt die Hoffnung, dass „Auslöschung“ erst das Vorspiel war und die Folgebände mehr in die tatsächliche Handlung eintauchen. 

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Dienstag, 9. Mai 2017

[Rezension] "Schwerter und Schwindler" von Julia Knight

Erschienen bei Knaur am 1.3.2017 | Übersetzt von Juliane Pahnke
eBook/Taschenbuch | 400 Seiten | ISBN: 978-3-426-51994-3 | 9,99 € | Kaufen

"Die Gilde der Duellanten" | 1. Schwerter und Schwindler | 2. Legenden und Lügner  | 3. Fechter und Feiglinge


Der erste Roman der Fantasy-Trilogie "Die Gilde der Duellanten" spielt in einer Welt, die an die der drei Musketiere erinnert. Doch statt für Ehre und Gerechtigkeit zu kämpfen, müssen Kacha und ihr jüngerer Bruder Vocho sich seit kurzem als Wegelagerer durchschlagen. Obwohl sie als die Besten ihres Faches gelten, wurden sie aus der Gilde ausgestoßen – durch Vochos Schuld.

Als sich die Geschwister beim nächtlichen Überfall auf eine Kutsche einem Magier und einer Truhe mit geheimen Dokumenten gegenübersehen, geraten sie mitten hinein in eine tödliche Intrige. Hilfe naht ausgerechnet in Form von Dom, dem aufgeblasenen Sohn eines Grundbesitzers, der ein Auge auf Kacha geworfen hat …
(Quelle: Knaur)
Anhand der Verlagsbeschreibung nahm ich an, dass „Schwerter und Schwindler“ in einer vergangenen Zeit spielt. „Die Drei Musketiere“ kam mir dabei direkt in den Sinn. Das hat mich bereits neugierig gemacht und ich wollte das Buch gerne lesen. Doch was mich bereits nach wenigen Kapiteln viel mehr begeisterte, war das äußerst interessante Worldbuilding. Denn die Welt ist gar keine uns bekannte Vergangenheit, sondern eine eigenständige Fantasywelt mit einer Stadt, die sich mit Hilfe eines Uhrwerkmechanismus ständig neu formt! Klingt kurios? Es ist noch viel besser! Die Vorgänge, die die Stadt in Bewegung halten und auch die anderen Schauplätze sind so detailliert beschrieben, dass ich beim Lesen ein äußerst farbenfrohes und realistisches Bild der Orte vor Augen hatte. Die Autorin Julia Knight hat für „Schwerter und Schwindler“ eine neue und unverbrauchte Welt erschaffen, bei der es viel Spaß macht, sie zu entdecken.
Überraschenderweise wurde diese besondere Welt gar nicht in der Verlagsbeschreibung erwähnt, obwohl dies eine neue Zielgruppe auf das Buch aufmerksam machen könnte. Neben Steampunk-Elementen ist zudem auch Magie zu finden. Wie die funktioniert, verrate ich hier natürlich nicht – die Autorin hat sich da aber etwas Tolles einfallen lassen!

Natürlich geht es aber auch um’s Fechten! Die Kämpfe und auch die Gilde der Duellanten nehmen einen großen Platz in dem Buch ein und es hat sehr viel Spaß gemacht, darüber zu lesen und mehr von der Gilde, der Stadt und dem Land zu erfahren.

Die Handlung setzt direkt mit einer sehr spannenden Eröffnung ein und erst nach und nach  im Laufe des Buches erfährt man weitere Einzelheiten. Unter anderem, wie es dazu gekommen ist, dass Kacha und Vocho von der Gilde verstoßen wurden und wie sie überhaupt zu den größten Fechtern eben dieser Gilde geworden sind. Julia Knight schafft es dabei, ein gutes Mittelmaß zwischen Rückblicken und der aktuellen Handlung zu finden, sodass es durchweg spannend war und neue Details, Blickwinkel und Möglichkeiten eröffneten.

Cover

Und wieder sind Menschen drauf! Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich von Menschen und vor allem Gesichtern auf Covern nicht viel halte. Und auch hier finde ich, dass das Cover dem Buch leider nicht gerecht wird. Allerdings muss ich zugeben, dass die abgebildeten Personen zumindest den Beschreibungen der Hauptcharaktere ähneln und somit ihre Daseinsberechtigung haben.

Eigentlich bin ich bei „Schwerter und Schwindler“ nicht mit allzu großen Erwartungen herangegangen, doch es konnte mich überraschen. Erwartet hatte ich eine spannende Geschichte im Stil von „Die drei Musketiere“, die in unserer Vergangenheit spielt und mir wurde, wortwörtlich, eine ganz andere Welt eröffnet: Eine Fantasywelt mit Magie und einer Stadt, die sich mit einem Zahnradsystem immer wandelt und alles in Bewegung hält.

Zwar hat das Buch auch ab und an seine Längen, in denen die Geschichte ruhig etwas schneller hätte vorangehen können, doch insgesamt kann ich „Schwerter und Schwindler“ weiterempfehlen. Gebt dem Buch eine Chance und lasst euch in eine ziemlich coole und ausgefallene Welt entführen!

Der zweite Teil erscheint unter dem Titel „Legenden und Lügner“ bereits am 3. Juli 2017 und „Fechter und Feiglinge“, der dritte Teil am 2. Oktober 2017.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.