Freitag, 19. Mai 2017

[Rezension] "Auslöschung" von Jeff VanderMeer

Erschienen bei Knaur am 1.3.2017 | Übersetzt von Michael Kellner
Taschenbuch | 240 Seiten | ISBN: 978-3-426-51804-5 | 9,99 € | Kaufen

"Southern Reach" | 1. Auslöschung | 2. Autorität (2.5.17)  | 3. Akzeptanz (3.7.17)

Eine geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet irgendwo an der amerikanischen Küste übernommen, seit vor 30 Jahren ein mysteriöses Ereignis stattgefunden hat. Und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam aus. Doch was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden, Karten zu zeichnen, das Fremde zu verstehen. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt wird eine zwölfte Expedition entsandt. An ihrer Seite betritt der Leser Area X. Und kann sich weder der Faszination noch dem Grauen entziehen.
(Quelle: Knaur)
Auslöschung“ ist ein Roman, den ich schwer beschreiben kann. Er ist keinem Buch ähnlich, das ich gelesen habe, zumindest soweit ich mich erinnere.

Jeff VanderMeer beschreibt in seinem Buch ein geheimnisvolles Areal, wo die normalen Gesetze der Natur scheinbar nicht gelten und den ganzen Bereich zu einem mysteriösen, eigenartigen und manchmal auch ziemlich gruseligen Ort machen. Das Buch ist aus der Sicht einer Expeditionsteilnehmerin geschrieben, die Area X zusammen mit weiteren Teilnehmerinnen betritt.

Diese Art der Erzählung unterstreicht die Mystik des Ortes, da die Biologin, wie sie sich nennt, selbst nichts über diesen Ort weiß und dem Leser so nur sehr eingeschränktes Wissen zur Verfügung steht. Die Biologin erforscht das Gebiet mit einer großen Faszination, obwohl sie sehr schnell merkt, dass etwas ganz seltsam an dem Ort ist. Doch wie magisch angezogen traut sie sich weiter vor und entdeckt Ungeheuerliches – und genau wie der Protagonistin geht es auch dem Leser. Ich konnte mich dieser gruseligen Faszination nicht entziehen und habe die seltsamen Pflanzen vor meinen Augen gesehen, die Umgebung gefühlt und auch den Wind beim Lesen auf meiner Haut gespürt. „Auslöschung“ ist ein Leseerlebnis der besonderen Art.

Im Nachhinein fasziniert es mich zudem sehr, dass Jeff VanderMeer in einem weitgehend handlungsarmen Buch enorm viel Spannung aufbauen kann, die mich ständig dazu bewegte, weiterlesen zu wollen.

Auslöschung“, der erste Teil der Southern-Reach-Trilogie, ist wie ein seltsamer Traum: abstrakt, von der normalen Welt losgelöst und auch oftmals schaurig. Ich bin wahnsinnig gespannt, wie es in „Autorität“ weitergeht und wer „Auslöschung“ gelesen hat, wird verstehen, warum ich so gespannt darauf bin. 

Ich kann das Buch jedenfalls sehr empfehlen, doch euch sollte klar sein, dass hier kein klassischer Abenteuer-Plot vorliegt und die Stimmung in diesem Buch doch sehr abstrakt ist. Es ist aber äußerst faszinierend, die Beschreibungen der Flora und Fauna zu lesen und all die Sonderbarkeiten zu entdecken. 

Von mir gibt es 4 Sterne, da mich das Buch größtenteils überzeugen konnte und mich sehr neugierig gemacht hat, wie alles aufgelöst wird. Doch manchmal war es eben auch zu abstrus und tatsächlich hätte ich gern die ein oder andere kleine Auflösung schon in diesem Buch gelesen. So aber bleibt die Hoffnung, dass „Auslöschung“ erst das Vorspiel war und die Folgebände mehr in die tatsächliche Handlung eintauchen. 

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Dienstag, 9. Mai 2017

[Rezension] "Schwerter und Schwindler" von Julia Knight

Erschienen bei Knaur am 1.3.2017 | Übersetzt von Juliane Pahnke
eBook/Taschenbuch | 400 Seiten | ISBN: 978-3-426-51994-3 | 9,99 € | Kaufen

"Die Gilde der Duellanten" | 1. Schwerter und Schwindler | 2. Legenden und Lügner  | 3. Fechter und Feiglinge


Der erste Roman der Fantasy-Trilogie "Die Gilde der Duellanten" spielt in einer Welt, die an die der drei Musketiere erinnert. Doch statt für Ehre und Gerechtigkeit zu kämpfen, müssen Kacha und ihr jüngerer Bruder Vocho sich seit kurzem als Wegelagerer durchschlagen. Obwohl sie als die Besten ihres Faches gelten, wurden sie aus der Gilde ausgestoßen – durch Vochos Schuld.

Als sich die Geschwister beim nächtlichen Überfall auf eine Kutsche einem Magier und einer Truhe mit geheimen Dokumenten gegenübersehen, geraten sie mitten hinein in eine tödliche Intrige. Hilfe naht ausgerechnet in Form von Dom, dem aufgeblasenen Sohn eines Grundbesitzers, der ein Auge auf Kacha geworfen hat …
(Quelle: Knaur)
Anhand der Verlagsbeschreibung nahm ich an, dass „Schwerter und Schwindler“ in einer vergangenen Zeit spielt. „Die Drei Musketiere“ kam mir dabei direkt in den Sinn. Das hat mich bereits neugierig gemacht und ich wollte das Buch gerne lesen. Doch was mich bereits nach wenigen Kapiteln viel mehr begeisterte, war das äußerst interessante Worldbuilding. Denn die Welt ist gar keine uns bekannte Vergangenheit, sondern eine eigenständige Fantasywelt mit einer Stadt, die sich mit Hilfe eines Uhrwerkmechanismus ständig neu formt! Klingt kurios? Es ist noch viel besser! Die Vorgänge, die die Stadt in Bewegung halten und auch die anderen Schauplätze sind so detailliert beschrieben, dass ich beim Lesen ein äußerst farbenfrohes und realistisches Bild der Orte vor Augen hatte. Die Autorin Julia Knight hat für „Schwerter und Schwindler“ eine neue und unverbrauchte Welt erschaffen, bei der es viel Spaß macht, sie zu entdecken.
Überraschenderweise wurde diese besondere Welt gar nicht in der Verlagsbeschreibung erwähnt, obwohl dies eine neue Zielgruppe auf das Buch aufmerksam machen könnte. Neben Steampunk-Elementen ist zudem auch Magie zu finden. Wie die funktioniert, verrate ich hier natürlich nicht – die Autorin hat sich da aber etwas Tolles einfallen lassen!

Natürlich geht es aber auch um’s Fechten! Die Kämpfe und auch die Gilde der Duellanten nehmen einen großen Platz in dem Buch ein und es hat sehr viel Spaß gemacht, darüber zu lesen und mehr von der Gilde, der Stadt und dem Land zu erfahren.

Die Handlung setzt direkt mit einer sehr spannenden Eröffnung ein und erst nach und nach  im Laufe des Buches erfährt man weitere Einzelheiten. Unter anderem, wie es dazu gekommen ist, dass Kacha und Vocho von der Gilde verstoßen wurden und wie sie überhaupt zu den größten Fechtern eben dieser Gilde geworden sind. Julia Knight schafft es dabei, ein gutes Mittelmaß zwischen Rückblicken und der aktuellen Handlung zu finden, sodass es durchweg spannend war und neue Details, Blickwinkel und Möglichkeiten eröffneten.

Cover

Und wieder sind Menschen drauf! Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich von Menschen und vor allem Gesichtern auf Covern nicht viel halte. Und auch hier finde ich, dass das Cover dem Buch leider nicht gerecht wird. Allerdings muss ich zugeben, dass die abgebildeten Personen zumindest den Beschreibungen der Hauptcharaktere ähneln und somit ihre Daseinsberechtigung haben.

Eigentlich bin ich bei „Schwerter und Schwindler“ nicht mit allzu großen Erwartungen herangegangen, doch es konnte mich überraschen. Erwartet hatte ich eine spannende Geschichte im Stil von „Die drei Musketiere“, die in unserer Vergangenheit spielt und mir wurde, wortwörtlich, eine ganz andere Welt eröffnet: Eine Fantasywelt mit Magie und einer Stadt, die sich mit einem Zahnradsystem immer wandelt und alles in Bewegung hält.

Zwar hat das Buch auch ab und an seine Längen, in denen die Geschichte ruhig etwas schneller hätte vorangehen können, doch insgesamt kann ich „Schwerter und Schwindler“ weiterempfehlen. Gebt dem Buch eine Chance und lasst euch in eine ziemlich coole und ausgefallene Welt entführen!

Der zweite Teil erscheint unter dem Titel „Legenden und Lügner“ bereits am 3. Juli 2017 und „Fechter und Feiglinge“, der dritte Teil am 2. Oktober 2017.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Samstag, 29. April 2017

[Rezension] "Ghosts of Heaven" von Marcus Sedgwick

Erschienen bei dtv am 10.3.2017 | Übersetzt von Reinhard Tiffert
Klappenbroschur| 408Seiten | ISBN: 978-3-423-65027-4 | 16,95 € | Kaufen

Über das Schicksal, den Lauf des Universums und das Wunder Mensch in all seiner Abgründigkeit.

Ob England zur Zeit der Hexenverfolgung oder ein junger Arzt in den USA in einem Irrenhaus, ob die Welt in vielen hundert Jahren oder zu Beginn der Menschheit – Marcus Sedgwick erzählt von Menschen und ihrem Leben, ihren Wunden und Träumen und davon, was uns alle miteinander verbindet.

Ein moderner Schauerroman.
Abgründig, verstörend, betörend.
(Quelle: dtv)
Vier Geschichten und ein Roman. 24 Möglichkeiten, ihn zu lesen“ – Diese Ankündigung hat mich direkt neugierig gemacht. Normalerweise gehe ich davon aus, dass solche Sprüche nur ein geschickter Werbekniff sind, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und ich muss zugeben, dass es hier zumindest bei mir gut funktioniert hat. Aber auch folgender Satz hat mich sehr neugierig gemacht: „Über das Schicksal, den Lauf des Universums und das Wunder Mensch in all seiner Abgründigkeit.“ 

In „Ghosts of Heaven“ bekommt der Leser vier Geschichten vorgelegt, die alle etwa 100 Seiten lang sind. Der Verlag gibt an, dass alle Geschichten unabhängig voneinander gelesen werden können, in einer Reihenfolge, die man sich selbst aussucht. Deshalb die Aussage, dass man 24 Möglichkeiten hat, das Buch zu lesen – Je nach dem in welcher Reihenfolge man die Geschichten liest, ergeben sich neue Kombinationen. Im Buch sind sie chronologisch geordnet, also nach dem Zeitraum, in dem die Geschichten spielen. Die erste Geschichte beginnt in einer weit, weit entfernten Vergangenheit, die zweite im Mittelalter zur Zeit der Hexenverfolgung, die dritte im frühen 20. Jahrhundert und die letzte mehrere hundert Jahre in der Zukunft.

Alle Geschichten sind auch einzeln als eBook erhältlich.

Kann man die Geschichten tatsächlich in beliebiger Reihenfolge lesen?  


Dies kann ich schlecht mit einem schlichten Ja oder Nein beantworten. Die Geschichten sind nämlich alle in sich abgeschlossen und benötigen nicht das Wissen der anderen Geschichten, um verstanden zu werden. Dennoch würde ich empfehlen, „Der gnädigste Platz in der Hölle“ und „Schicksalslied“ eher am Schluss zu lesen. Dort wird nämlich am Rande auf die anderen Geschichten Bezug genommen und eine davon wird so detailliert beschrieben, dass man dann schon weiß, wie sie endet.

Wie sind sie verbunden?  


Natürlich bleibt der Vergleich zu „Cloud Atlas“ nicht aus, er wird ja sogar offiziell zur Werbung genutzt. Ich habe „Cloud Atlas“ nicht selbst gelesen, sondern nur den Film geguckt und kann zumindest in dem Zusammenhang sagen, dass dieser Vergleich berechtigt ist. Ich finde sogar, dass in „Ghosts of Heaven“ die Verbindung zwischen den Geschichten sogar noch ein wenig stärker ausgeprägt ist. Denn es gibt ein Thema, das sich durch das ganze Buch zieht und sogar vor dem Vorwort bereits erklärt wird.

Ich empfehle sehr, „Schicksalslied“ als letzte Geschichte zu lesen, da dort zum Schluss ein Bogen geschlagen wird zum Beginn des Buches, was ich sehr, sehr toll fand, da es so passend und kreativ umgesetzt ist.

Sprache


Was ich besonders hervorheben will, ist, wie sich die Geschichten stilistisch voneinander unterscheiden. So ist die erste Geschichte „Flüstern im Dunkeln“ ungewöhnlich geschrieben: Es gibt keine Dialoge, der ganze Text ist kursiv geschrieben und ähnelt von der Darstellung einem Gedicht. Hier setzt Marcus Sedgwick sehr eindrucksvoll die Optik und Sprache des Textes ein, um den Eindruck zu verstärken, eine Geschichte aus der Zeit der Höhlenmalerei zu lesen.

Auch die anderen Geschichten sind zwar vom Schreibstil ähnlich, haben aber alle eine kleine Besonderheit, an der man merkt, dass es sich um eine andere Geschichte handelt.
Ein Buch, in dem es um Obsession, versteckte Zeichen und den Menschen an sich geht.

Ich kann dieses Buch weiterempfehlen - es liest sich gut und die Geschichten sind spannend. Der Inhalt der Geschichten ist oft düster, sodass mir manches Mal ein Schauer über den Rücken gelaufen ist.

Eine kleine Warnung für Fans von Happy Ends muss ich an dieser Stelle leider aussprechen, denn die Geschichten haben keine. Also Finger weg von diesem Buch, wenn ihr ein schönes, glückliches Ende braucht!

Da ich die Geschichten in der im Buch vorliegenden, chronologischen Reihenfolge gelesen habe, kann ich leider keine Aussage darüber treffen, wie sich die Geschichte in einer anderen Reihenfolge entfaltet, würde aber sehr empfehlen, die Chronologie einzuhalten, da gerade in „Der gnädigste Platz in der Hölle“ große Spoiler zu „Die Hexe im Wasser“ enthalten sind. Zudem hat man, wenn man das Buch in der vorgegebenen Reihenfolge liest, eine Reise quer durch die Menschheitsgeschichte hinter sich.
Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Sonntag, 9. April 2017

[Rezension] "Die Ewigen" (Sammelband) von Chriz Wagner

Erschienen bei acabus am 13.2.2017 | Taschenbuch | 320 Seiten 
ISBN: 9783862824595 | 15,00 € | Kaufen

"Die Ewigen" | 1. Die Gärten von Rom | 2. Der Bruderpakt  | 3. Die Zeichen der Schuld | 4. Von sterbenden Engeln | 5. Das Gedächtnis der Welt | (weitere sind in Planung)
- Alle Teile auch einzeln als eBook erhältlich -

Thyri und Simon sind unsterblich. Auf ihrer Reise durch die Jahrtausende verloren sie sich aus den Augen. Ihre Geschichten führen uns vorbei an mystischen Orten und magischen Begebenheiten auf der Suche nach dem Grund für ihr ewiges Leben.
Dieser Sammelband enthält fünf Erzählungen aus den Memoiren der EWIGEN.
In „Die Gärten von Rom“ erzählt Simon, weshalb im Jahr 11 n. Chr. Roms Grünanlagen von Kindern nicht mehr betreten werden durften.
„Der Bruderpakt“ wird von den Brüdern Renz zum Verhängnis. Und die grausame Beichte dahinter kreuzt im Jahr 1891 Simons Lebensweg.
„Die Zeichen der Schuld“ und der Kampf um Gut und Böse führen den Leser zurück zu den biblischen Anfängen der Menschheit.
Thyri berichtet in „Von sterbenden Engeln“, wie sich im Jahr 1645 die dunklen Schatten des Mittelalters um Schrattenthal zusammenzogen.
Und was geschah, als 1933 der Codex Sinaiticus, die älteste Bibelübersetzung der Welt, seinen Weg in die London Museum Library fand, erzählt Thyri in „Das Gedächtnis der Welt“.
(Quelle: acabus Verlag)
Ich habe bereits vor dem Erscheinen des Sammelbandes zwei Geschichten der EWIGEN gelesen: „Die Zeichen der Schuld“ und „Das Gedächtnis der Welt“.  Dazu habe ich Rezensionen geschrieben, die ihr hier auf dem Blog nachlesen könnt.
Wie ich es auch nicht anders erwartet habe, konnten mich auch die restlichen Geschichten um DIE EWIGEN von Chriz Wagner überzeugen. Thyri und Simon sind zwar nach diesen fünf Geschichten immer noch ein Rätsel, doch als Leser hat man mehr über deren mysteriöse Geschichte erfahren und einen Einblick in das Leben vergangener Zeiten bekommen. Jedoch sollte man nicht erwarten, dass bereits alle Geheimnisse gelüftet werden, da noch weitere Geschichten geplant sind.
Die Geschichten bieten unterschiedliche Szenarien in unterschiedlichen Zeitaltern, was dem Sammelband Vielfältigkeit verleiht. Was aber immer vorhanden ist: die dunklen Mächte und der Schauer, der einem über den Rücken läuft, wenn die geheimnisvollen Geschehnisse ihren Lauf nehmen. Chriz Wagner versteht es, Spannung aufzubauen und Grusel zu erzeugen.
Durchschnittlich sind die Geschichten 60 Seiten lang – für mich also gut für Zwischendurch geeignet, wenn ich mal mit der Bahn fahre oder auch so mal eine Stunde Zeit habe.  
Der Sammelband mit den „Erinnerungen an die Unsterblichkeit“ konnte an meine Begeisterung für „Die Zeichen der Schuld“ anknüpfen. Ich habe die Geschichten regelrecht verschlungen und freue mich schon sehr auf die Fortsetzungen!
Wer gerne mysteriöse Geschichten mit etwas Grusel liest und den verschiedene Epochen der Vergangenheit reizen, sollte unbedingt in dieses Buch hineinlesen! Ich kann es nur empfehlen. Allen voran die Kurzgeschichten „Die Zeichen der Schuld“ und „Die Gärten von Rom“.
Die Kurzgeschichten sind auch einzeln als eBook beim Acabus Verlag und Online-Shops wie Amazon, Thalia, etc. erhältlich. Der Autor kündigt auch im Nachwort weitere 5 Kurzgeschichten an, die in nächster Zeit erscheinen werden. Auch ein zweiter Sammelband ist geplant, wobei dieser natürlich erst später erscheint. 

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Montag, 3. April 2017

[Rezension] "Die Berufene" von M. R. Carey (Buch + Film)

Erschienen bei Knaur am 1.10.2014 | Übersetzt von  Charlotte Lungstraß-Kapfer und Momo Evers 
Klappenbroschur | 512 Seiten | ISBN: 978-3-426-51513-6 | 14,99 € | Kaufen


Ein Parasit, der die Menschen in fleischfressende „Hungernde“ verwandelt, hat die Menschheit befallen. Die Überlebenden haben sich verschanzt und hoffen auf eine Heilung.

Um diese Heilung zu finden, forscht Dr. Cladwell in einer entlegenen Militärbasis an Kindern. Das Besondere an den Kindern: sie sind alle infiziert, scheinen aber ein Bewusstsein und Intelligenz zu besitzen. Eine von ihnen ist Melanie, ein schlaues, wissbegieriges Mädchen. Wie auch die anderen Kinder, weiß sie nicht, was sie ist und wieso sie in den unterirdischen Räumen gehalten werden. Sie kennt kein anderes Leben. Doch eines Tages wird die Militärbasis von den „Hungernden“ angegriffen und nur eine kleine Gruppe kann sich retten – unter ihnen Melanie und Dr. Cladwell. Auf dem Weg zum Hauptquartier stoßen sie auf immer mehr Informationen über den Parasiten und es stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist Melanie wirklich und kann die Menschheit überhaupt gerettet werden?

Die Geschichte handelt natürlich von einer Zombie-Apokalypse und hat dementsprechend auch mehr als genug klischeehafter Gruselmomente, doch jenseits dieser Klischees sind mir besonders die Ausarbeitung und Wandlungen der Charaktere positiv aufgefallen. Außerdem wird zusätzlich Spannung erzeugt, da man unbedingt wissen will: Sind die infizierten Kinder gefährlich? Was wird aus der Welt? Gibt es eine Heilung? Und auch immer wieder die Frage: Wann ist ein Mensch ein Mensch?
Ich habe den Film zuerst gesehen und anschließend das Buch gelesen. Dies war eine Reihenfolge, die für mich gut funktioniert hat und die ich so auch weiterempfehlen kann.
Was ich auch dazu sagen kann: Solltet ihr das Buch zuerst lesen, dann werdet ihr wohl den Film trotzdem gucken können, ohne euch ständig über Änderungen zu ärgern.

Unterschiede zwischen Buch und Film

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Buch und Film - ein Buch hat nun einmal mehr Freiheit, den Stoff ausführlich und im Detail zu besprechen, während ein Film grob gesehen zeitlich beschränkt ist.
Eine große Änderung ist die Hautfarbe der Protagonistin Melanie. Im Buch wird sie als sehr, sehr blass bzw. hellhäutig beschrieben, was direkt auf der ersten Seite als Ironie dargestellt wird, da der Name Melanie „die Dunkle“ bedeutet. Stilistisch besonders wirkungsvoll wurde dies im Film aufgegriffen, indem sie als Kontrast mit Sennia Nanua besetzt wurde. Sie hat Melanie großartig dargestellt und ihr so viel Charakter, Tiefe und Emotionen gegeben, dass ich beim Lesen des Buches immer sie vor Augen hatte.
Eine weitere Änderung sind die „Schrottwühler“ -  eine Gruppe von Menschen, die sich nicht in den sicheren Bastionen der Menschen verschanzt haben, sondern tagtäglich für ihr Überleben in der „Wildnis“ kämpfen müssen. Diese haben im Buch eine nicht ganz unwichtige Rolle, doch im Film wurden diese einfach rausgelassen. Eine Kürzung, die im Film aber nicht auffällt und auch nicht tragisch ist.
Im Großen und Ganzen halten sich die Unterschiede aber in Grenzen und schränken den Zuschauer nicht wirklich ein. Der Leser hat aber ganz klar den Vorteil, dass gerade der wissenschaftliche Hintergrund im Buch besser ausgeführt und erklärt wird.

Das Buch bekommt von mir 5 Sterne, da es mich überzeugt hat und ich die Geschichte gerne gelesen habe. Durch die Perspektivenwechsel im Buch erfährt man als Leser viel mehr über die persönlichen Hintergründe der Protagonisten und auch über deren Wandlung im Laufe des Buches. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen und würde es jederzeit wieder lesen wollen!

Der Film bekommt von mir „nur“ 4 Sterne. Er wird dem Buch gerecht und ist eine tolle Verfilmung mit guter Besetzung. Jedoch fehlten einige Erklärungen und wissenschaftlichen Hintergründe. Dafür gibt es einen Stern Abzug, doch ansonsten konnte mich der Film ebenfalls überzeugen.
Der Film hat (zumindest in Deutschland) keine wirkliche Publicity bekommen. Sogar als der Film gerade erst erschien, lief er in Hamburg nur in einem großen Kino (um 23:30 Uhr) und in zwei kleinen Kinos 1-2 Mal die Woche, was ich für so einen guten Film sehr schade finde.

Man merkt dem Buch und dem Film definitiv an, dass sie gemeinsam entworfen und geschrieben wurden. Trotz der Änderungen wirken sie sehr stimmig. Ich kann euch nur empfehlen: Schaut euch den Film an oder lest das Buch! Am besten macht ihr einfach beides ;)

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und die Tickets für den Film. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst. 

Montag, 20. Februar 2017

{Auslosung} "Such's dir aus" - Gewinnspiel



Heute ist es soweit und die drei Gewinner des Gewinnspiels stehen fest!


DayDreaming gewinnt "Glück ist, wenn man trotzdem liebt"

Shouting D. gewinnt "Die Magier Seiner Majestät

Greta Oehler gewinnt "Perfekt ist jetzt

Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß mit den Büchern!

Bitte meldet euch bis zum 25. Februar 2017 bei mir mit eurer Adresse, damit ich eure Gewinne losschicken kann! Dazu könnt ihr mir entweder eine Email schreiben (tinyhedgehog[at]outlook[dot]de) oder mir auf Facebook eine Nachricht schicken (https://www.facebook.com/tinyhedgehog/).

Wenn sich bis zum 25. einer der Gewinner nicht gemeldet hat, wird der Platz neu ausgelost.

An alle anderen: Seid nicht traurig! Es wird nicht das letzte Gewinnspiel auf diesem Blog sein!


Samstag, 18. Februar 2017

[Rezension] "Die rote Löwin" von Thomas Ziebula

Erschienen bei Bastei Lübbe am 13.10.2017 | Taschenbuch | 736 Seiten 
ISBN: 978-3-404-17476-8 | 10,00 € | Kaufen

Anno 1205. Nach dem Tod ihrer Eltern sind Runja und ihr Bruder auf sich allein gestellt. In Magdeburg geraten sie in die Fänge des machthungrigen Domdekans Laurenz. Dieser sieht in Runja die einmalige Gelegenheit, seinen Rivalen Pirmin auszuschalten. Denn Runja hat verblüffende Ähnlichkeit mit dessen toter Frau. Während er ihren Bruder als Geisel hält, zwingt Laurenz Runja in den Orden der Vollstrecker, wo sie zur Mörderin ausgebildet wird. Doch das Schicksal will es, dass sie sich in Pirmin verliebt. Nun muss sie sich zwischen dem Leben ihres Bruders und dem ihres Geliebten entscheiden.
(Quelle: Bastei Lübbe)
Normalerweise lese ich keine historischen Romane – nicht aus dem Grund, dass ich sie nicht mag, sondern eher, weil ich immer wieder lieber zu anderen Genres greife. Somit bin ich ein Neuling in diesem Genre.

Doch wie komme ich zu diesem Buch? Ich kenne den Autor Thomas Ziebula von seiner High-Fantasy-Reihe „Kalypto“, die er unter seinem Pseudonym Tom Jacuba veröffentlicht hat. Er sagte mir, „Die rote Löwin“ sei, was den Stil und den Actionanteil angeht, ähnlich wie „Kalypto“ geschrieben und somit wagte ich den Versuch. Außerdem hat das Cover mich ein wenig in dieser Entscheidung bestärkt: Obwohl ich kein Freund von Gesichter auf Covern bin, sprach es mich sehr an. Es wirkt düster, gefährlich und geheimnisvoll und vermittelte somit all das, was ich in diesem Buch letztendlich auch vorgefunden habe.

„Die rote Löwin“ ist nichts für schwache Nerven – es geht dort zum Teil sehr brutal zu. Die Kämpfe, Schlachten und Hinrichtungen werden in all ihrer Brutalität dargestellt und erzeugen eine beängstigende Stimmung. Ein Lob an dieser Stelle an den Autor, der diese Stellen so überzeugend und authentisch vermitteln konnte.

Obwohl ein Zeitraum von etwa drei Jahren mit der Geschichte abgedeckt wird, hatte ich nicht das Gefühl, dass das Buch zu sehr in die Länge gezogen wurde. An manchen Stellen war die Handlung gemächlicher, an anderen preschte sie voran, doch in meinen Augen genau im richtigen Maß.
Die Geschichte um Runja ist sehr spannend zu lesen und hat mir sehr gut gefallen. Ihre Beweggründe und Gefühle konnte ich gut nachempfinden – als Protagonistin ist sie sehr gut ausgearbeitet und sehr vielfältig.

Dass ich dem Buch aber keine volle Punktzahl gebe hat mit einem anderen Grund zu tun: Die vielen sexuellen Szenen in dem Buch. Ich verstehe ja, dass „Die rote Löwin“ ein Roman für ein erwachsenes Publikum ist, doch die Menge an sexuellen Szenen war mir persönlich schlicht zu viel. Besonders gestört hat mich die unnötige Detaildichte dieser Szenen – würde ich einen Erotikroman lesen wollen, hätte ich zu solch einem gegriffen. Schade um das Buch – es wäre nämlich auf jeden Fall auch ohne diesen Inhalt ausgekommen, ohne dass die Authentizität oder die Handlung darunter gelitten hätte.

„Die rote Löwin“ lässt mich zwiegespalten zurück: Einerseits hat mir die Handlung und die Protagonistin sehr gut gefallen und ist die 5 Sterne allemal wert. Andererseits war das Übermaß an sexuellen Handlungen und ihren Details für mich zu viel. Deshalb bekommt das Buch von mir eine Bewertung von 3,5 Sternen und nur eine bedingte Empfehlung.

Ich bedanke mich beim Verlag und Thomas Ziebula für das Rezensionsexemplar. 
Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.